SYLVIE - Systematische Lärmsanierung von innerstädtischen Wohnvierteln

Nach einer OECD Studie sind von 826 Mio. Menschen in den OECD-Mitgliedstaaten ca. 50% einem Verkehrslärm von über 55 dB (A) und ca. 16% einem von über 65 dB (A) ausgesetzt. In der Europäischen Union sind 11% der städtischen Bevölkerung von einem Lärmpegel über 70 dB (A) betroffen. Die Lärmbelastung im dichtbebauten Stadtgebiet liegt in den meisten Städten ganz erheblich über den anzustrebenden Grenz- und Richtwerten. Lärmminderung ist deshalb eine wesentliche Aufgabe der kommunalen Umweltpolitik. Bisher scheiterte die technische Lärmsanierung oft an den besonderen Eigenschaften von Lärm - denn die Wahrnehmung von Lärm ist nicht objektiv.

Am Lärm der Stadt nehmen alle teil - als Lärmende und als Belästigte. Das Projekt SYLVIE ging neue Wege: Lärm wurde nicht nur als technisches Problem, sondern vor allem auch als soziales Phänomen verstanden. SYLVIE vermittelte zwischen Verursachern und Betroffenen und setzte auf die Kooperation mit allen Lärmakteuren. Ziel war für ein ausgewähltes Stadtgebiet eine Lärmminderung (Reduzierung der objektiven Lärmbelastung sowie der subjektiven Lärmbelästigung) zu erreichen und bei den Akteuren jenes Bewusstsein zu schaffen, das eine wirksame Ausnutzung bestehender Handlungsspielräume ermöglicht. SYLVIE gliederte sich in mehrere Bausteine:

  • Am Beginn stand die Lärmanalyse des dichtbebauten Wiener Stadtgebiets.
  • Danach folgte die Auswahl eines Lärmsanierungsgebietes (Teile des 5. und 12. Wiener Gemeindebezirkes).
  • Im "Kooperativen Lärmsanierungsverfahren" haben wir für die verschiedenen Lärmprobleme (Verkehrslärm, Gewerbelärm, Nachbarschaftslärm usw.) die Handlungsspielräume der Akteure ausgelotet und gemeinsam mit Verursachern und Betroffenen Lösungsvorschläge erarbeitet. Diese Vorschläge mündeten in Pilotprojekte, die im Rahmen von SYLVIE eingeleitet und auch begleitet wurden.
  • SYLVIE setzte auf Kommunikation und neue Medien: Im Rahmen des Projekts wurde für die Verwaltung, für ExpertInnen und interessierte BürgerInnen ein modulares Lärm-Online-Informations-System aufgebaut.

Während der Lärmanalyse wurden über 200 Lärmfälle an das Team SYLVIE herangetragen. Da nicht alle Lärmfälle behandelt werden konnten, haben wir 9 repräsentative Fälle für die Bearbeitung im kooperativen Verfahren ausgewählt:

Gaststätten- und Veranstaltungslärm:
1. Mediationsverfahren Siebensternplatz Nachbarschaftslärm im öffentlichen Raum
2. Mediationsverfahren Siebenbrunnenplatz
3. Pilotprojekt lärmarme Parks

Verkehrslärm:
4. Pilotprojekt Lärmschutz Westeinfahrt (Straßenverkehrslärm)
5. Pilotprojekt für die Wohnhausanlage Theodor-Körner-Hof (Straßen- und Schienenverkehrslärm)
6. Pilotprojekt Lärmarme Busse (Lärmkonflikte durch den Betrieb von öffentlichen Autobussen)

Gewerbelärm:
7. Pilotprojekt Lärmarme Post (Lärmkonflikte durch Ladetätigkeiten der Post in einem Innenhof)
8. Pilotprojekt Lärmarmer Lieferverkehr
9. Pilotprojekt Lärmarme MA 48 (Lärmkonflikte durch einen Garagenstandort der MA 48).

Es ist gelungen, eine Reihe von innovativen und wirksamen Lärmminderungsmaßnahmen zu entwickeln. Diese Maßnahmen konnten zum Teil bereits umgesetzt werden. Auf die detaillierten Ergebnisse kann auch über die SYLVIE-Website mit der Adresse http://www.sylvie.at/ zugegriffen werden. SYLVIEs Erfolge lassen sich sehen - und hören!

 

Projektinformation

Auftraggeber: Magistrat der Stadt Wien, MA 22, 50% EU-Förderung (LIFE-Umwelt)
Projektbearbeitung: Team SYLVIE (MA 22, Herry, PlanSinn, Rosinak & Partner, Snizek)
Projektleitung: Wolfgang Khutter (MA 22)
Projektkoordination: Wolfgang Pfefferkorn (Rosinak & Partner)
Bearbeitungszeitraum: 1999 - 2002