Automatisiertes Fahren und / oder autonomes Denken?

Das automatisierte Fahren scheint das große Thema der Mobilitätspolitik und Verkehrsplanung zu sein: Veranstaltungen zuhauf, eine bemerkenswerte mediale Präsenz und ein märchenhaftes Zukunftsnarrativ aus der Markenwelt von Google bis BMW.

Auffallend ist allerdings, dass die positive Stimmung überwiegend von männlichen Technik- und Technologie-Menschen erzeugt wird. Damit scheint weniger als die Hälfte der relevanten Fragen – und die Hälfte der Gesellschaft – abgedeckt. Denn hinter aller Begeisterung verbirgt sich die zentrale Frage: Welche gesellschaftlichen Veränderungen sind durch automatisierte Fahrzeuge zu erwarten? Was bedeutet dieser vermeintliche Quantensprung der Mobilität für

  • die Verkehrspolitik und -planung in den Ballungsräumen, wie die Zukunft des dann verbleibenden öffentlichen und nicht motorisierten Verkehrs sowie die Auslastung und Gestaltung von Straßenräumen,
  • die Zukunft von Dienstleistungen mit ihren Arbeitsplätzen, etwa im Beförderungsgewerbe,
  • die Siedlungsstrukturen von Städten, Entwicklungsachsen und im ländlichen Raum,
  • den „Faktor Mensch“ und unsere moralischen Werte nicht nur im Straßenverkehr,
  • die sozialen Veränderungen einer durch Mobilität begünstigten gesellschaftlichen Vereinzelung.

Die Wortführer des automatisierten Fahrens müssten demnach Sozialwissenschaftler, vielleicht sogar Philosophen sein, die ohne technologische Begeisterung an dieses umfassende, gesellschaftlich hoch relevante Thema herangehen. Unterbleibt dies, verbleibt die Debatte auf hobby1) -Niveau.

1) hobby: Das Technik-Magazin (1953 – 1984)