Beteiligung – das Thema des Jahres?

Wären da nicht die Wahlen in den USA und in Österreich, das Votum der Briten und mit „postfaktisch“ ein neues Eigenschaftswort – die Beteiligung der Bevölkerung an Veränderungsprozessen wäre wohl „business as usual“. So aber stellen sich auch für PlanerInnen, wenn sie in ihrer Umwelt zu Hause sein wollen, beklemmende Fragen: Verstehe ich die BürgerInnen noch? Kann ich die Quellen von Ärger und Wut erahnen und solche Emotionen überwinden? Was trennt vermeintlich privilegierte Fachleute von denen, die meinen, vieles besser zu wissen?

Was nicht funktioniert, ist schon bekannt: die Bevölkerung von oben herab als „Idioten der Familie“ (Spiegel 27/2016) zu begreifen, die Arroganz der Vertikale, das Argument vom besseren = intellektuellen Oben zum unbedarften Unten ist wohl kontraproduktiv. Die viel beschworene Augenhöhe bei der Partizipation scheint durch handwerkliche Prinzipien am ehesten gewährleistet:

  • Repräsentanz herstellen, Beteiligung (er)fordert die ganze Gesellschaft; der Slogan: „die, die da sind, sind die Richtigen“ wäre dann wohl nicht mehr als eine Ausrede,
  • aktive Teilnahme ermöglichen – durch gemeinsames, geschütztes Arbeiten ohne mediale Aufmerksamkeit,
  • die Balance zwischen repräsentativer und partizipativer Demokratie im gemeinsamen Tun von PlanerInnen und BürgerInnen erlebbar machen,
  • Barrieren zwischen der Alltagssprache und dem Fachjargon überwinden, in Wort und Bild.

Jeder Beteiligungsprozess sollte sich zumindest auf diese Grundsätze stützen, darüber hinaus scheint ein gewisses Maß an Unsicherheit, eine Ratlosigkeit auf höherer Ebene für die Gestaltung der Beteiligung hilfreicher als die Wiederholung tradierter Prozessformate. Noch mehr als bisher werden Beteiligungsprozesse also Maßanzüge sein müssen – angepasst an das Umfeld der Menschen, die Probleme und Aufgaben.